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Comrades Marathon 2009 der Dritte...
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Zwischen Hillcrest - Winston Park - Kloof überwogen jetzt die Bergabpassagen. Trotzdem gibt es immer wieder einige hässliche Anstiege zu bewältigen. Auch in diesen kleinen Orten ist die Stimmung stets prima. Ständig hört man seinen Namen vom Streckenrand her rufen und die Leute fragten mich, woher ich denn komme. Ich trug ja eine blaue Startnummer die mich als "Internationaler" identifizierte. Überhaupt hat man das Gefühl, dass jeder Zuschauer an der Strecke allein für die Läufer da zu sein scheint und um ihnen zu helfen diesen Lauf erfolgreich zu bestehen. Geht man zu Leuten hin, die gerade ein leckeres Hähnchen auf dem Grill liegen haben und fragt nach einem Bier, bekommt man es von Herzen. Wenn keines sofort verfügbar ist, hat man trotzdem nur Sekunden später eines in der Hand. Da gibt es einen kurzen Ruf und von irgendwoher wird ein Bier angeschleppt. Alles könnte man leicht bekommen ... Hähnchen ... Sandwiches ... Grillwurst ... hmmm wie lecker. Viele Privatleute verteilen außerdem Orangen, Bananen, Kekse und Kartoffeln. Eigentlich müssen sie das nicht tun, denn die knapp 50 Verpflegungsstellen sind in der Regel immer gut ausgestattet. Das Wetter hatte übrigens prima mitgespielt. Wolken verhinderten eine vermutete Hitzeschlacht. Ich schätzte die Temperatur auf ca. 23-25°.

Die Ermüdungen in den Oberschenkel gingen in Schmerzen über. Durch das weitere Bergablaufen sind sie ganz hart geworden. Ich verlor in diesem Streckenabschnitt die meiste Zeit an den Servicestationen, um mit Eiswürfel beide Oberschenkel zu behandeln. Ich konnte mich noch an meinen ersten Downrun vor zwei Jahren erinnern, wo die Oberschenkel später die meisten Probleme verursachten. Ich meinte mit den Aktionen rechtzeitig Schlimmeres zu verhindern. Die beiden roten Tapes an meinem Oberschenkel wirkten aber gut, denn die beiden an den Knien befindlichen äußeren Muskeln habe ich noch gar nicht bemerkt. Diese waren damals in dem Lauf sehr stark krampfgefährdet gewesen. Die Tapes sollten diese Muskeln entlasten und sie taten es auch. Nach Kloof geht es auf die Autobahn. Vor diesem Teilstück hatte ich am meisten Respekt. Er beinhaltete "Fields Hill", einem 3,5 km langen und harten Bergabstück und der Vierte im Bunde der großen Fünf. Der steilste Hügel bergab überhaupt. Ich musste mich bei jedem Schritt neu überwinden um ihn auszuführen. Nur kurze Gehpausen nahmen mir die Schmerzen etwas. Nein, ein guter Bergabläufer war ich noch nie gewesen. Das zeigte sich hier deutlich.

Cowie Hill bei KM 71Unten in der Ausfahrt zu Pinetown angekommen war das Ziel nur noch einen Halbmarathon weit entfernt. Das klang ja nicht schlecht, aber der Weg war ja noch sooooooo lang. Nach Field Hill lag ich aber immer noch auf Kurs von 8:35 Stunden. Wir durchquerten Pinetown, wieder eine große Stimmungshochburg. In Pinetown selbst konnte man seine Beine auf der etwas flacheren Strecke wieder etwas erholen. Warum funktionierte das nicht bei mir? Die Oberschenkel taten mir jetzt höllisch weh. Auch weitere Eiswürfel brachten keine deutliche Entlastung mehr. Dabei lagen noch einige toughe Stücke vor mir. Der nächste davon - "Cowie Hill" - der letzte offizielle große Berg. Nein, das stimmte nicht, denn ich wusste auch von denen die noch danach kommen würden. Sowieso war jetzt jeder noch so kleine Hügel einfach zu hoch. Cowie Hill bin ich zum großen Teil heraufgewandert. Nur als ich die TV-Kameras erblickte, wechselte ich schnell die Gangart. Den Abstieg von Cowie Hill bin ich wieder komplett durchgelaufen. Erst als die Strecke ein erneutes mal auf eine Autobahn abbog, nahm ich mir weitere Gehpausen. Ich fing jetzt immer mehr an zu rechnen. Oben am Top von Cowie hatte ich noch zwei Stunden Zeit für die Bill Rowan Medaille und es waren noch 17 km zu laufen. Da reichte mir noch ein Schnitt von 7:04 Min/Km für ein pünktliches Ende.

Die Gehpausen wurden jetzt länger und länger. Das Wiederanlaufen kostete jedesmal eine große Portion Überwindung. Aus dem noch zu benötigten 7er-Schnitt wurde schnell 6:30 und 6:00. Ich konnte einfach nicht mehr und beschloss, mein Ziel zu vergessen und den weiteren Lauf einigermaßen mit Anstand zu beenden. Ein echter Comrades Läufer muss Spaß an dem Lauf haben dachte ich mir als weitere Ausrede aus. Für die letzten 5 Kilometer hatte ich einen Schnitt von 8:28 Min/km gestoppt. Wie sollte ich nun wieder im 6er Schnitt weiterlaufen? Unmöglich!

Doch es kam noch anderes als ich dachte. Plötzlich vernahm ich hinter mir ein lautes dumpfes Geräusch. Ein "Bus" rollte an und drohte mich zu überrollen. Der Bus war die 9 Stunden Tempogruppe und deren Anführer nennen die Südafrikaner "Busfahrer" (ohne Scherz!). Jedenfalls machte ich Platz so dass der Bus an mir vorbeilaufen konnte. Es war eine mächtig große Gruppe. Ich machte zum Spaß die Anhalterbewegung und der Fahrer meinte, ich sollte diesen Bus nehmen ... quasi während der Fahrt einsteigen. Ok dachte ich, ich probiere das aus. Eine andere Chance auf die Bill Rowan Medaille sah ich sowieso nicht mehr. Ich stieg also ein und lief mit. Ein paar Sekunden später kam ein heftiges Kommando und der Bus hielt an - kleine Gehpause am Berg - dann wieder ein kurzes scharfes Kommando und der Bus rollte wieder an. So ging es Kilometer für Kilometer dem Ziel entgegen. Ich habe quasi im Intervalltraining gefinished. Ich kann es kaum glauben, dass wir 2 Kilometer vor dem Ende noch 15 Minuten Zeit hatten - trotz der vielen Gehpausen. "Don't panic we'll finish in 8:58" rief der Busfahrer bei den Gehpausen immer wieder. Wir müssen zum Teil im 5er Schnitt gelaufen sein, um die Gehpausen zu kompensieren. Die Oberschenkelschmerzen waren zwar noch vorhanden, aber ich verdrängte sie und hatte nur noch ein Ziel im Kopf - nur nicht mehr abreißen lassen!

Wieder gefinished! Diesmal in 8:58:29

Wieder gefinished! Diesmal in 8:58:29